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Afrikanischer Zwergschläfer (Graphiurus spec.)

Zwergschläfer

Der Afrikanische Zwergschläfer wird auch Pinselschwanzbilch genannt und sieht aus wie eine Mischung aus Maus und Eichhörnchen.
Die Bezeichnung Schläfer ruht übrigens nur daher, dass der Zwerg mit dem Siebenschläfer verwandt ist, allerdings hält der Zwerg im Gegensatz zum einheimischen Schläfer gar keinen Winterschlaf und sollte daher eigentlich Zwergbilch genannt werden (wir benutzen hier aber den verbreiteten Namen, damit es nicht zu Verwechslungen kommt).

Systematik

Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Bilche (Gliridae)
Unterfamilie: Graphiurinae
Gattung: Afrikanische Bilche (Graphiurus)

Es gibt 15 Arten, die aber kaum zu unterschieden sind und somit wird als Artenbezeichnung spec. angehängt.

Der Afrikanische Zwergschläfer ist ein sehr soziales Tier, welches in einem Familienverbund von ca. 15 Tieren lebt und über eine sehr ausgeprägte Lautäußerung verfügt. Es erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 6-9 cm und eine Schwanzlänge von 5-8 cm, ein Körpergewicht von 18-39 g und ein Lebensalter von 4-5 Jahren.
Die Zwerge bewohnen den gesamten afrikanischen Kontinent südlich der Sahara, hauptsächlich dichte Regenwälder. Einige Arten leben auch in den Baumbeständen der Savanna.
Zwergschläfer leben fast ausschließlich in den Baumkronen und berühren nur in Ausnahmen den Boden, somit verwundert es auch nicht, dass sie so ausgezeichnete Kletterer sind. Mit ihren spitzen Krallen schaffen sie es sogar kopfüber zu klettern.
Die nachtaktiven Zwerge benötigen trotz ihrer geringen Größe sehr viele Kalorien und fressen daher Früchte, Nüssen, Samen und Insekten, selbst kleine Vögel und Säuger sind auf dem Speiseplan.


Äußere Merkmale:


Zwergschläfer

Wie auf dem Bild zu sehen haben Zwergschläfer auf der Oberseite ein grau-bräunliches Fell und auf der Unterseite weißes Fell. Im Verhältnis zum Körper haben sie sehr große Augen und Ohren. Der auffällige buschige Schwanz entwickelt sich erst nach und nach, bei jungen Zwergschläfern ist es zwar behaart, aber noch nicht ganz so buschig.
Zu beachten ist, dass man die Kleinen NIEMALS am Schwanz hochhebt, da dieser sonst abreißen könnte.

Zähne & Krallen

Die Kleinen haben sehr scharfe Krallen, mit denen sie super an unebenen Flächen hochklettern und sich sogar kopfüber festhalten können. Vorn haben sie zwar 5 Zehen, aber eine ist verkümmert und trägt keine Kralle, hinten sind fünf Zehen mit je einer Kralle vorhanden.

Sinnesorgane

Sinnesorgane zwergschläfer
Die großen Kulleraugen sind hervorragend geeignet im Dunklen zu sehen.

Die Zwerge haben im Verhältnis zur Kopf sehr große Ohren, die sich unabhängig von einander in alle Richtungen drehen lassen. Es ist sehr niedlich mitanzusehen, wenn die Kleinen auch noch die leisesten Töne wahrnehmen und mit den Ohren wackeln.

Der Geruchssinn ist ebenfalls sehr gut ausgeprägt, beim Riechen wackelt die Nasenspitze sichtlich hin und her.

Zusätzlich haben die Kleinen noch Tasthaare, um ihre direkte Umgebung (Erhöhungen/Vertiefungen, Durchgänge etc.) besser wahrzunehmen.

Geschlechtsmerkmale

männlicher Zwergschläfer (Männchen) Zwergschläfer (Weibchen)
Bei den ausgewachsenen Männchen sind die Hoden eindeutig zu erkennen (die Jüngeren scheinen diese noch einziehen zu können), sie sind nicht von Fell bedeckt und zudem ist der Anal-Genital-Abstand bei den Männchen größer als bei den Weibchen.

Bei den Weibchen sind nach dem ersten Wurf die Zitzen deutlich zu erkennen.

Im Allgemeinen ist die Geschlechterbestimmung sehr schwer, da sie sehr klein und agil sind und sich nicht gern einfangen lassen.


Verhalten & Charakterzüge


Aktivitäten

Die Aktivitätsphase der Zwerge ist eigentlich (streng) nachtaktiv, allerdings gibt es einen in unserer Gruppe der auch schon Mittags und am frühen Abend herauskommt und durch den Käfig flitzt. Wie bei Hamstern dürfte es eine Gewöhnungs- und Zutraulichkeitsfrage sein.
Die Zwergschläfer sind sehr hervorragende Kletterer, zu vergleichen mit Eichhörnchen. Sie können sich so ziemlich an allem festhalten, egal ob senkrecht oder kopfüber. Leider sind die Tiere sehr schnell beim Klettern und Springen, so dass sie nur schwer zu beobachten sind.
männlicher Zwergschläfer Die Kleinen sind sehr intelligent und wahre Ausbruchskünstler, es sollten also alle noch so kleinen Lücken verschlossen werden. Die Kleinen wieder einfangen zu müssen ist sehr mühsam, bei uns ist der Zwerg hinter eins unserer Käfigregale und lies sich nicht wirklich überzeugen herauszukommen. Später am Tag haben wir ihn dann zufällig in einer Sporttasche gefunden. Wenn einer der Zwerge ausbricht, sollten sofort alle Türen und Fenster geschlossen werden, damit sie nicht komplett herauskommen, außerdem ist Vorsicht beim Durchlaufen des Zimmer geboten.
Es soll wohl auch klappen die Kleinen mit einer Lebendfalle wieder einzufangen, ausprobieren mussten wir das zum Glück aber noch nicht.

Jagd
Es ist wirklich ein interessantes Schauspiel, wenn unsere Zwerge auf die Jagd nach Grillen (bei uns Kurzflügelgrillen) gehen. Meist setzen sie sich erst mal aufs Haus und beobachten alles was sich bewegt, dabei sind sie komplett still (nur die Ohren Bewegen sich in alle Richtungen) und greifen dann blitzschnell an. Wenn sie nicht erfolgreich sind gehen sie meist erst mal zum Ausgangspunkt zurück, ansonsten bringen sie die Beute in Sicherheit und futtern sie gleich auf.
Süß ist es auch wie sie bei der Suche im Käfig umherklettern und die Nasenspitze sich schnell hin und her bewegt um alles aufzunehmen.
Allerdings scheinen sie vor allem die Augen einzusetzen, meist stürzen sie sich nur auf bewegte Grillen und lassen die anderen erst mal links liegen. Die toten Grillen werden dann zum Schluss gegessen.
Zu beachten ist, dass die Öffnungen so klein sind, dass die Grillen nicht herauskommen (vor allem bei Heimchen kann es zu einer Ungezieferplage kommen).
Wer keine lebenden Insekten mag, kann diese entweder einfrieren oder getrocknete kaufen, diese werden ebenfalls angenommen.

Sozialverhalten

Zwergschläfer sind sehr soziale Tiere, die unbedingt in einer Gruppe zu halten sind. Sie schlafen in einem Nest als Knäuel und unterhalte sich mit Zwitscherlauten. Es ist möglich die Zwerge handzahm zu bekommen, aber sehr schwierig. Es wird vor allem dadurch erschwert, dass die Kleinen sehr flink sind und somit auch leicht aus dem Käfig entkommen und dann in der Wohnung nur sehr schwer zu finden und wieder einzufangen sind (leider mussten wir da schon unsere Erfahrungen machen^^).

Geräusche

Bevor man die Kleinen überhaupt zu Gesicht bekommt hört man sie meist schon zwitschern. Dies ist allerdings eher angenehm als störend. Bei weitem nicht so laut wie ein Vogel. Nagegeräusche gibt es kaum bis gar nicht, da sie nicht wirklich nagen.


Haltung


Bei der Haltung ist wichtig, dass die Tiere in Gruppen gehalten werden, am besten immer nach Geschlechtern getrennt, damit es nicht zu Dauerschwangerschaften kommt (und vorallem zu einem sehr straken und schnellen Gruppenzuwachs). Bei gemischten Gruppen haben wir keine weiteren Auffälligkeiten feststellen können, durch Zufall hatten wir 2 Männchen und ein Weibchen, was allerdings nicht zu mehr Streit geführt hatte, sollte aber vermieden werden.
Die Käfiggröße sollte unserer Meinung nach nicht kleiner als 80cm Länge x 40cm Tiefe x 100cm Höhe (2-3 Tiere). Da die Kleinen viel Klettern kann der Käfig eigentlich nicht hoch genug sein.
Die Zwerge machen je nach Ernährung mehr oder weniger Dreck und sollten ständig kontrolliert werden.
Das Einstreu sollte so hoch sein, dass sie sich noch einbuddeln können, ca.5-10 cm, allerdings leben die Kleinen sonst eher im oberen Käfigbereich. Wichtiger ist, dass immer viel Nistmaterial vorhanden ist, wobei sie am liebsten Baumwolleinstreu bevorzugen und Heu nicht anrühren.
Vor allem auf ausgewogene Ernährung ist zu achten, da es sonst stark zu Geruchsbelästigung kommen kann. Damit die Zwerge nicht zu stark stinken sollten täglich Insekten geboten und auf abführendes Obst z.B. Pflaumen verzichtet werden. Hinzukommt, dass die Schlafplätze häufig gereinigt werden sollten, da sie dort auch ihre Kloecke haben.
Zu beachten ist auch, dass die Zwergschläfer anscheind mit vorliebe ihre Geschäfte gezielt durch die Gitterstäbe nach draußen machen.

Art der Unterbringung:


(+ Vorteil, ~ neutral, - Nachteil)
Gitterkäfig:
    Ist nicht geeignet, da sie einen sehr kleinen Kopf haben besteht Ausbruchsgefahr, da sie so kleinste Abstandsunterschiede zur Flucht nutzen können. Zudem würde die Umgebung stark verschmutzen
Aquarium:
    Eher ungeeignet, da es nicht gut genug belüftet wird und es problematisch beim Herausnehmen sein könnte, wenn oben komplett alles auf ist. Zumal eine sehr feinmaschige Abdeckung drauf müsste woran sie sich aber sehr gut festhalten können.
Terrarium:
ein spezielles Nager Terrarium nennt man Cricetinarium.
    + gute Belüftung
    + Minderung der Gerüche, zumindest solange die Türen zu sind
    + man kann sie von vorn greifen
    + Umgebung bleibt sauberer

    - Anbringen von Sachen ist schwieriger
    - nimmt man ein normales Terrarium, kann es zu Problemen mit den Krallen und der unteren Lüftung kommen, da die Kleinen darauf herumlaufen und sich verletzen können, wenn die Löcher zu groß sind
Am besten eignet sich noch ein Eigenbau, bei dem aber sehr genau darauf geachtet werden muss, dass keine Lücken vorhanden sind.

Standort

Der Standort sollte ruhig und frei von Zigarettenrauch, intensiven Gerüchen (keine Küchen), Zugluft, direkter Sonneneinstrahlung und starken Temperaturschwankungen sein.
Da die Zwergschläfer vor allem Nachts sehr laut sind, sollten sie nicht im Schlafzimmer stehen, zudem könnte es sehr unangenehm riechen.

ideale Luftfeuchtigkeit: 50-60%
ideale Raumtemperatur: über 18° C (unter 15°C verfallen sie in eine Starre)

Zubehör

  • Trinknapf/-flasche
  • Fressnapf
  • mehrere Schlafhäuschen (Vogelnistkästen), zusätzlich kann man Tonblumentöpfe, Brücken etc. als Verstecke nehmen
  • Tunnel/Röhren, sollten aus Holz oder Pappe sein
  • Transportbox: für Tierarztbesuche und zum Kauf, sollte groß genug für alle sein
  • Einstreu, Baumwolleinstreu, Heu und Papiertücher und Pappe zum Nestbau
  • Klettermöglichkeiten: Seile, Leitern, Holzstangen, feine Äste etc. die Zwergschläfer gehören wohl zu den besten Kletterern somit sollten sie ihnen viele Möglichkeiten bieten dem nachzukommen (sie klettern zB auch kopfüber an der Decke oder seitwärts am Lüftungsgitter).
Hier gibt es noch ein paar Links auf andere Seiten von uns:

Nachwuchs


Paarung

Zwergschläfer
Ab dem 4. Monat sind die Zwerge geschlechtsreif.
Achtung ! bei Zwergschläfern kommt es am laufendem Band zu Nachwuchs, dies wird nicht durch Platzmangel begrenzt.

Schwangerschaft & Geburt

Nach einer Tragzeit von 20-35 Tagen kommen 4-6 Jungen zur Welt. Die Mutter lässt sich in der Zeit kurz vor der Geburt nur selten blicken und sollte bis 2 Wochen nach der Geburt auch möglichst in Ruhe gelassen werden.
Wirklich mitbekommen kann man die Geburt nicht wirklich, somit bleibt einem nur die regelmäßige Kontrolle der Nistkästen/Schlafhäuser.

Entwicklung der Jungen

Zwergschläfer Zwergschläfer Zwergschläfer
Die Jungen werden nackt, blind und taub geboren. Nach einer Woche bekommen sie ihr komplettes Fell und nach zwei Wochen machen sie die Augen auf. Nach 6 sind sie dann vollkommen selbständig.

Es ist immer wichtig darauf zu achten, dass die Jungen auch die Möglichkeit bekommen ihr Sozialverhalten zu erlernen und dafür zu sorgen, dass die Weibchen nicht dauerschwanger sind bzw. zu oft, da jede Schwangerschaft ihre Lebenserwartung verkürzt.


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